Adventskonzert vom 4. Dezember 2016

Traditionsgemäss, am frühen Abend des  2. Adventssonntags, lud der Musikverein Gretzenbach unter der Leitung von Andrea Scherrer zum Adventskonzert. Zur Eröffnung erklang die «Centennial Fanfare» des jungen Schweizer Dirigenten und Schlagzeugers Cédric Fuhrer. Getreu dem Titel startete das Werk fulminant, um nach einem ruhigeren Mittelteil in einer Reprise wieder richtig mit Pauken und Trompeten zu enden. Hier ist anzufügen, dass der MV Gretzenbach in BrassBand-Besetzung spielt und die Trompeten hier Cornets sind. Der Präsident, Michael Gugger, begrüsste die ansehnliche Zahl Musikfreunde herzlich und erwähnte dabei, dass angesichts des frühen Datums der Abschluss nicht wie üblich mit «Stille Nacht», im Kerzenschein, sondern anders gestaltet werde. In der Folge übernahm Deborah Beer die Moderation und führte mit spannenden, das Programm ergänzenden,  Informationen durch das Konzert. Gross war der Kontrast zum Eingangswerk, wurde «Greensleeves» durch ein Quartett mit Pascal Wüthrich und Marco Hunziker, Cornets, sowie Konrad Wüthrich Es-Horn und Kurt Schenker, Euphonium, welche sich vor der Band aufgestellt hatten, feinfühlig eröffnet. Die Melodie wurde durch die gesamte Band aufgenommen, um gegen Schluss  sonor von den Bässen wiederholt und ans Quartett zum Abschluss zurückgegeben zu werden. Der Herr «anonymus» dürfte sich einmal mehr im Grab umgedreht und sich geärgert haben, dass er es unterlassen hatte, seinen Namen unter diese besinnliche Melodie zu setzen. Eine stilmässige Veränderung erforderte der Weihnachtshit «All i want for Christmas is You», bekannt durch dessen Interpretin Mariah Carey. Ohne Skandal gelang die Wiedergabe und wurde durch grosszügigen Applaus belohnt. Dem 2011  verstorbenen BrassBand-Tausendsassa Roy Newsome war mit «Christmas Sounds» ein echter Leckerbissen gelungen: Von «O du fröhliche» bis «Stille Nacht» zogen, einem Umzug gleich, die schönsten und bekanntesten Weihnachtsmelodien vorbei, vom  süssen Duett von Flügelhorn und Es-Horn bis zum barocken Strahlen der Cornets. Mit «Let it Snow» gelang ein Abstecher in die Welt des Jazz, präzise und stilrein interpretiert. Dass das Stück angeblich im Monat Juli im heissen Kalifornien geschrieben wurde, entlockte allseitig ein Schmunzeln, und es war nochmals Deborah Beer vorbehalten, die Brücke zum Duett aus dem Musical «Phantom of the Opera» zu schlagen: der Mörder Raoul verspricht hier der verängstigten Christine, sie zu beschützen; Hoffnung und Wärme  gehörten gerade auch zur Advents- und Weihnachtszeit. Nicht ein Liebespaar, sondern Vater und Sohn, Konrad und Pascal Wüthrich, wurden die Solostellen aufgetragen, was sie mit ausdrucksstarkem Spiel erfüllten. Dem Titel «Candlelight Carol», Kerzenlicht Weihnachtslied, möglichst gerecht bewies die Band, dass sie auch mit ganz leisen Tönen umzugehen weiss. Gewaltig dann die Einleitung der Orgel zum letzten offiziellen Stück «Auld Lang Syne». Nach einigen Takten erklang die wohlbekannte Melodie erstmals in den Euphonien, um sich dann zum Fortissimo der ganzen Band zu steigern, immer präzise umspielt durch Katja Deutschmann an der Orgel. Trotz grosser räumlicher Distanz gelang dieses nicht alltägliche Zusammenspiel sehr gut. Nach den Verdankungen des Präsidenten an Andrea Scherrer, Katja Deutschmann, Deborah Beer, die Sakristanin, Grazyna Küpfer, erklatschte sich das Publikum eine Zugabe. Mit «Adeste Fidelis» überzeugte der Musikverein erneut durch seine Vielseitigkeit, rein im Klang und dynamisch abgestuft, einmal als Quartett und zum Schluss im strahlenden Fortissimo. Bestimmt hat den Zuhörern und Zuhörerinnen auch dieser Abschluss eines Adventskonzertes gefallen.

Heinz Hosner