Zu trockenen Traktanden ein würziges Schnuggebock

Der Musikverein Gretzenbach fährt für seine 140. Generalversammlung ins Appenzellerland.


Während andere dem Fasnachtsstart entgegenfieberten, trafen sich die Mitglieder des Musikvereins Gretzenbach samt Angehörigen bereits um 09:00 Uhr zur Carfahrt für die Generalversammlung. Weil es die 140. werden sollte, hatte man vorgängig beschlossen, diese auswärts im Rahmen eines Tagesausflugs abzuhalten. Dank angeregten Gesprächen, und dem obligaten Apero ging die Reise recht locker und trotz Gubrist- Stau zügig ostwärts. Bald war Sankt Gallen durchfahren und das Ziel, Teufen AR, erreicht.


Im Erlebnisgasthaus Waldegg wurden wir willkommen geheissen und gleich auf die «Schloff», den Dachboden, gebeten, wo die Tische für das Mittagessen vorbereitet waren. Gespannt, was uns da aus Grosis Küche erwartete, machten einige vom angebotenen «Eile mit Weile» Gebrauch, während andere im Keller dem Grossvater zwecks Weinauslese einen Besuch abstatteten oder sich im grossen Gasthaus umsahen. Erstmals wurde das in der hauseigenen Brauerei hergestellte, mit Tannenschösslingen gewürzte, Schnuggebock-Bier verköstigt. Einigen mundete es spontan, andernorts fielen Begriffe wie «gewöhnungsbedürftig» oder gar «Saunaaufguss». Und Grosi liess sich nicht lumpen: einer leckeren Suppe folgten eine Schüssel mit knackigen Salaten, als Höhepunkt feine Hörnli mit rassigem Gehacktem und frischem Apfelmus. Auch der Kaffee war besonders, statt Cappuccino und Latte Macchiato standen nur entweder ein Frauen- oder Manne-Kafi, selbstverständlich mit im Haus gerösteten Bohnen, bereit.

Präsident Michael Gugger eröffnete in einem Gewölbekeller mit Kachelofen den geschäftlichen Teil. Während die Begleitpersonen im «Zyträdli», der Backstube, leckere Biberli herstellten, wurde die Traktandenliste zügig in Angriff genommen. Der Jahresbericht des Präsidenten, der Bericht des Musikkommissionspräsidenten  Konrad Wüthrich und der Kassabericht durch Franz Wicki wurden mit Applaus bestätigt. Leider mussten hernach unter Verdankung der geleisteten Arbeit die Austritte von Cornetistin Claudia Widmer und  Ehrendame Deborah Beer entgegengenommen werden. Diesen stehen, einmal mehr, keine Eintritte gegenüber. Die Wahlen warfen keine grossen Wellen, die bewährte Crew bleibt an Bord. Einzig im Vorstand wechselt das Aktuariat von Claire Hugi zu Brigitte Höfler und in der Musikkommission nimmt Heinz Hosner an Stelle von Hanspeter Graber und Anton Hagmann Einsitz. Unbestritten wiedergewählt wurde auch die geschätzte Dirigentin, Andrea Scherrer. Für 20-jährige Mitgliedschaft, langjährigen Einsatz als Aktuarin und Organisatorin von Ausflügen ernannte die Versammlung Claire Hugi zum Ehrenmitglied. Des weiteren durften Konrad Wüthrich als Vizedirigent und Patrick Widmer sowie Daniel Krauer als Organisator bzw. Hausherr des Fischessens ein wohlverdientes Präsent entgegennehmen.

 

Abschliessend beschäftigte sich die Versammlung ausführlich mit dem Thema Mitgliederbestand. Auf der einen Seite sind die Ressourcen, das dreitägige Beizlifest im gewohnten Rahmen zu stemmen, so knapp geworden , dass versuchsweise für 2018 ein etwas abgespecktes Angebot geplant wird. Und, andersrum, will der Verein die Nachwuchsförderung intensivieren, dies unter Beizug einer erfahrenen Persönlichkeit. «Was nützt uns eine volle Kasse, wenn die Register leer sind?».

Bald war die 140. Generalversammlung Geschichte und so konnte der gemütliche zweite Teil in Angriff genommen werden: Im «Tintelompe», einem Schulzimmer, wie  es vor 100 Jahren etwa ausgesehen haben dürfte, wurden wir vom gestrengen, leider etwas mit Vorurteilen statt Pädagogik und Psychologie belasteten und überaus parteiischen Lehrer, Max Bünzli, in Empfang genommen. Die folgenden anderthalb Stunden flogen nur so dahin -  geflissentlich die gestellten Aufgaben bewältigend, lachend, schmunzelnd, ab und an auch nachdenklich. Ein Kompliment an dieser Stelle an Max Bünzli, welcher seine Rolle hervorragend gespielt hat.

Bei einem währschaften Zvieri, vom Plättli bis zur Meringue «Chemmeribode», konnte man sich von den Schulstrapazen erholen und letzte Einkäufe im «Zyträdli»  tätigen. Für etliche etwas zu früh rief der Chauffeur zum Einsteigen und führte uns sicher zurück nach Gretzenbach.
HH